Angeleitetes Körperspüren

Angeleitetes Körperspüren
Etwas, das Du danach allein machen kannst.
Die meiste Zeit sind wir mit Aufmerksamkeit woanders: bei dem, was war, bei dem, was noch ansteht, bei dem, was jemand gesagt hat. Der Körper läuft derweil mit, ungefragt. Ihn wieder zu bemerken ist keine besondere Fähigkeit. Es ist eher etwas, das die meisten von uns abgewöhnt bekommen haben.
Angeleitetes Körperspüren heißt: Ich sage nichts weiter, als wohin Du Deine Aufmerksamkeit lenken kannst, und dann warte ich. Was Du dabei findest, gehört Dir. Ich deute es nicht.
Wozu
Nicht, um etwas zu erreichen. Eher, um die eigene Innenwahrnehmung zurückzubekommen: zu merken, wann sich etwas anspannt, wann etwas nachlässt, wann ein Satz im Bauch ankommt und wann nur im Kopf.
Das ist keine Entspannungsübung, auch wenn es oft entspannt. Es ist eine Übung im Bemerken. Wer bemerkt, dass gerade etwas eng wird, hat mehr Möglichkeiten als jemand, der es erst hinterher merkt.
Womit ich arbeite
Ich bediene mich bei mehreren Ansätzen, ohne einem davon vollständig zu folgen.
Selbstbehandlungen mit den eigenen Händen. Daniel Agustoni hat eine Reihe einfacher Übungen zusammengestellt: Hände an bestimmte Stellen legen, nichts weiter tun, warten. Voll bekleidet, im Sitzen oder Liegen, drei Minuten oder eine halbe Stunde. Sein Buch „Craniosacral-Selbstbehandlung“ beschreibt sie in Wort und Bild. Auf seiner Website stehen mehrere Leseproben; wer ausprobieren möchte, ob das etwas für ihn ist, findet dort genug, um anzufangen.
Bindung braucht einen Körper. Thomas Harms geht in der Bindungsorientierten Körperpsychotherapie davon aus, dass Nähe, Geborgenheit und Zugehörigkeit nichts Gedachtes sind, sondern etwas Gespürtes – und dass umgekehrt der Kontakt zu sich selbst über den Körper verloren geht, bevor er im Kopf ankommt. Was er über die Arbeit mit Säuglingen und ihren Eltern gelernt hat, hat er später auf die Arbeit mit Erwachsenen übertragen. Mir hilft vor allem sein Blick darauf, dass Beruhigung nichts ist, was man sich vornimmt.
Gefühlen Platz geben. Raja Selvam geht davon aus, dass Gefühle nicht deshalb überwältigend sind, weil sie zu groß wären, sondern weil sie auf zu wenig Körper verteilt sind. Seine Arbeit besteht darin, ihnen mehr Raum zu geben – mit Aufmerksamkeit, Atem, Bewegung, eigener Berührung –, statt sie zu erklären oder loszuwerden. Wie ein schweres Gewicht, das man auf mehr Fläche verteilt.
Mit dem Schutz gehen, nicht dagegen. Staci Haines nennt das blending, in der deutschen Ausgabe Einlassen – ein Begriff aus dem Aikido: nicht gegen eine Anspannung arbeiten, sondern neugierig auf sie werden und sie in die Richtung stützen, in die sie ohnehin schon geht. Ein harter Bauch, ein angehaltener Atem, eine hochgezogene Schulter sind bei ihr keine Fehler, die man abstellt, sondern eine Sicherheitsformung: etwas, das der Körper vor langer Zeit eingerichtet hat, um etwas zu schützen, und das diese Arbeit bis heute tut. Wird ihr gesagt, sie solle sich öffnen, liest sie das als Bedrohung und zieht sich weiter zusammen. Wird sie stattdessen gefragt, woraus sie besteht – hart wie Metall oder wie Holz, wie dicht, wie viel Raum nimmt sie ein, wie lange macht sie das schon, worauf passt sie auf – und dann gestützt statt bekämpft, beginnt das Gewebe von selbst weicher zu werden. Wir verbünden uns, und helfen bei der Schutzfunktion, statt sie verändern zu wollen.
Haines schreibt für Menschen, die beruflich begleiten, und sie schreibt politisch: Ihr Thema ist die Gewalt von Rassismus, Sexismus und Armut, nicht nur die private Verletzung. Was ich von ihr übernehme, ist die Haltung, nicht eine Technik.
Das gefühlte Etwas. Aus dem Focusing nach Eugene Gendlin kommt die Geduld für das, was noch keinen Namen hat: dieses unbestimmte Etwas im Bauch oder in der Brust, das erst unklar ist und sich klärt, wenn man ihm Zeit lässt, statt es sofort zu benennen. Gendlin steht auch sonst hinter dem, wie ich arbeite; auf der Seite Arbeitsweise steht mehr dazu.
Wenn etwas hochkommt
Das gehört dazu und ist kein Zeichen, dass etwas schiefgeht.
Wer die Aufmerksamkeit nach innen richtet, findet dort nicht nur Ruhe. Es können Gefühle auftauchen, mit denen nicht zu rechnen war. Es können Erinnerungen kommen, auch aus Zeiten, an die es keine Bilder gibt, sondern nur ein Körpergefühl. Manchmal passiert das bei einer Übung, die harmlos aussieht und drei Minuten dauert.
Allein damit zu sitzen ist nicht immer gut. Nicht, weil es gefährlich wäre, sondern weil es leichter geht, wenn jemand dabei ist: jemand, der nicht erschrickt, nicht tröstet, nicht erklärt, sondern einfach bleibt. Das ist auch der Grund, warum ich das anbiete, obwohl es am Ende etwas ist, das Du allein machst.
Deshalb mein Vorschlag: die ersten Male gemeinsam. Danach weißt Du, was Du tust, und kannst entscheiden, wie viel und wie oft.
Wenn Du gerade in einer akuten Krise steckst, ist das hier nicht das Richtige. Dann sprich mich bitte direkt an, und wir schauen, was sonst hilft. Wir machen langsam und behutsam. Meine Begleitung ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Wie das geht
Im Einzelnen, in Ruhe, ohne festen Umfang. Melde Dich bei mir, dann finden wir heraus, was passt.
Daniel Agustoni: Craniosacral-Selbstbehandlung – mit Leseproben
Thomas Harms: Verkörperte Bindung. Bindungsorientierte Körperpsychotherapie (BKPT)
Raja Selvam: Verkörperte Gefühle – zur Methode selbst die Integral Somatic Psychology
Staci K. Haines: Körper lügen nicht – deutsch von Sharif Bitar, w_orten & meer 2024; im Original „The Politics of Trauma. Somatics, Healing, and Social Justice“. Das Einlassen und Verbünden steht in Kapitel 9 (im Original „Regenerating Safety“).
Ged Sumner: Body Intelligence Meditation
